Tan Renga

Tan-renga,

eine Gedichtform der Kurzlyrik, die in Japan entwickelt wurde (jap. = kurzes Kettengedicht) Das tan-renga besteht aus zwei Versen, dem Oberstollen des ersten Autors und dem Unterstollen des zweiten Autors. Eine ausführliche Beschreibung auf der Seite artgerecht-und-ungebunden  von Claudia Brefeld.

Morgenandacht –
Sonnenkringel fallen
auf den Altar
im Rosenkranz
die Zeit fließt …

 

Claudia Brefeld / Martina Heinisch
Haiku-Jahrbuch 2009, Spuren der Wasserläufer

Die Tür fällt zu –
in der Garderobe
noch sein Duft
ein Hauch Bitterkeit
auf dem Schaum des Cappuccinos

Claudia Brefeld / Martina Heinisch

Waldlichtung –
aus zahlreichen Skizzen
das fertige Bild
das Gelb des Pinsels
lächelt zurück

Martina Heinisch / Claudia Brefeld

 

Die Wärme
deines Rückens – ich falle
in den ersten Traum
Morgennebel –
den Berggipfel umspielt ein Licht

Claudia Brefeld / Martina Heinisch

 

Nebelberg-
ein Blätterschwarm erhebt sich
über kahlen Zweigen
im Erdkeller
Kartoffelduft

Martina Heinisch / Claudia Brefeld

Muttertag –
Zwei alte Hände
finden sich
ausruhen
im Gebet

Claudia Brefeld / Martina Heinisch

 

Wiedersehen …
die überreichten Blumen
welken
Seine Augen so dunkel
wie damals

Martina Heinisch / Claudia Brefeld

matins –
curls of sunshine falling
on the altar
in the rosary
time flows … 

 

Lynx  XXV:2 June, 2010the door snaps

 

shut –
at the coat rack
still his scent
touched with bitterness
the foam of the Cappuccino

Lynx  XXV:2 June, 2010

 

forest glade –
from numerous scetches
the completed painting
the yellow of the brush smiles back

Lynx  XXV:2 June, 2010

 

the warmth
of your back – I fall
into the first dream
early morning mist –
light plays around the mountaintop

Lynx  XXV:2 June, 2010

 

foggy mountain –
a swarm of leaves soaring
above bare branches
in the earth cellar
smell of potatoes

Lynx  XXV:2 June, 2010

Mother’s Day
two old hands
find themselves
resting
in prayer

Lynx  XXV:2 June, 2010

 

reunion …
the presented flowers
wither

his eyes as dark
as at that time